1869 entstand das erste Fabrikgebäude der 1861 gegründeten Präge- und Lithographschen Anstalt Meißner & Buch.
Die Chomopapierherstellung entwickelte sich zum bedeutenden
Großbetrieb der Buchproduktion, und ihre Fabrikgebäude nahmen im letzten Viertel des 19.
Jahrhunderts den gesamten östlichen Bereich zwischen Hoher und Sidonienstraße
(Paul-Gruner-Straße) ein.
Von den 1879 errichteten Erweiterungsbauten ist heute nur noch die Grundmauer
des Erdgeschosses erhalten, das nun als Begrenzungsmauer des Parkplatzes zur
Paul-Gruner-Straße dient.
Das heutige Hauptgebäude des späteren Kunstverlages und Chromographischen Instituts
ist der viergeschossige Bau von 1908.
So wie auch heute eine Vielzahl verschiedener Unternehmen in dem alten
Fabrikkomplex ihr Zuhause gefunden haben, so brachten die in der Hohe Straße 9-13 ansässigen
Betriebe im Laufe der Jahrzehnte die unterschiedlichsten Produkte hervor. Die Buchkunst
wich der Feinmechanik : 1939 zog die Tura-GmbH von dem Werk in der Luppenstraße in die Hohe Straße.
Die Männer des Tura-Werks machten sich nicht nur die Kassen-, Unterhaltungs- und Verkaufsautomaten, die sie herstellten
einen Namen, sondern auch durch ihren Fußball. Die legendäre Werksmannschaft SV Tura 1932 schloß sich 1938 mit SV 1899 Leipzig
zusammen und bildete den Turn- und Rasensportverein von 1899 Leipzig, kurz Tura 1899 Leipzig, jetzt bekannt unter dem Namen FC Sachsen.
Während des Krieges wurde das Werk in die seinerzeit modernste Kompaßfabrik Europas umgewandelt.
Zeitgleich wurden jedoch auch Schweine auf dem Gelände gehalten (die Stallungen befanden sich
zwischen Kesselhaus und dem alten Hauptgebäude, auf dem Gelände des jetzigen Parkplatzes - siehe Archiv).
Diese hatte der Fabrikinhaber C.M. Schwarz angeschafft, nachdem ihm mitgeteilt worden war,
daß er die ihm zugewiesenen russischen Zwangsarbeiter mit Küchenabfällen ernähren sollte.
Schwarz selber
überlebte den Krieg allerdings nicht. Etwa ein Drittel der ganzen Fabrik wurde bei den Bombenangriffen
zerstört. Was übrig blieb berbergte dann nach 1945 die VEBs Goldpfeil (Röhren) und Robotron (Mikroelektronik).
Nachdem nach 1989 zuerst eine Lederwarenfabrik und dann eine Fortbildungsschule eingezogen war,
konnten die alten Eigentümer langsam beginnen, den imposanten Gebäudekomplex
aus seinem Staub zu befreien und wiederzubeleben. Umgeben vom alten Charme der schmucken Klinkerbauten befinden
sich in den sanierten und umgestalteten Gebäuden hochmoderne Firmen, Büros und komfortable Wohnungen.
Kesselhaus, Kohlenkeller und Werkshallen bieten weiteren Nährboden für die Verwirklichung innovativer
Ideen.
Die Hohe Straße selbst verläuft vom ehemaligen Pleiße-Mühlgraben, heute Lampestraße, in östlicher Richtung ansteigend bis zum Bayerischen Bahnhof.
Der östliche Straßenabschnitt zwischen Zeitzer Straße (Karl-Liebknecht-Straße) und Bayerischer Straße (Arthur-Hoffmann-Straße)
erfolgte 1839. Ihren Namen erhielt die Hohe Straße 1843 durch die verhältnismäßig hohe Lage des oberen Teils "vor dem Windmühlentor".
Vorher war der Name Bahnhofsstraße gebräuchlich, lief die Straße doch direkt auf das Abfahrtsgebäude des derzeit (1842-44) erbauten
Bayerischen Bahnhofs zu. Nach dem Bau der Ziegelbrennerei 1839 entwicklten sich in der neuen Vorstadtstraße kleine Fabriken, wie
eine Pappenfabrik mit Pferdegöpel (1845), die Fabrik für ätherische Öle von Trepte und Fresko (1856), die Likörfabrik Sauerwald, eine Bronzegießerei
und Galvanisieranstalt sowie natürlich die Firma Meißner & Buch (1861).
Zwischen den Neubauten der Hohe Straße findet man neben der Hohe Straße 9-13
noch weitere Relikte vergangener Zeiten. Der Schriftzug der Fabrik Sauerwald ist noch lesbar und das Wohnhaus mit der Nummer 11 ist bereits 1845 gebaut worden und
zeigt trotz Neuverputz noch die charakteristische Gebäudekubatur, die Fassade mit dem breiten Gesimsband und den typischen Fensterformen der vierziger Jahre des vorletzten Jahrhunderts.