Allgemeine Informationen zu einigen unserer Untersuchungen


Wir bieten für Tierärzte und für Tierhalter Untersuchungen von Kot- und Blutproben sowie mikrobiologischen Abstrichen an.
Durch unsere Spezialisierung und jahrelange Erfahrung können sichere Diagnosen gestellt werden und Therapie- und Präventionsempfehlungen gegeben werden.

Bitte lesen Sie sich die Hinweise genau durch, um zu verhindern, daß ungeeignetes Probenmaterial gewonnen oder versandt wird oder Untersuchungen angefordert werden, die für Ihren speziellen Fall ungeeignet sind.

Blutproben sollten ausschließlich von Tierärzten entnommen werden! Weiteres dazu auf der Seite Formulare.
    Parasitologische Kot- und Harnuntersuchungen:
    Die wichtigste Untersuchung, auch bei scheinbar gesunden Tieren, ist die frischen Kotes. Hier können unter anderem Würmer, Wurmeier und Einzeller (Kokzidien, Flagellaten (Geißeltierchen) und Ziliaten (Wimperntierchen)) gefunden werden. Diese Untersuchung sollte während der Quarantäne vor einer Vergesellschaftung oder dem Umsetzen in ein eingerichtetes Terrarium geschehen. Würde die Probe erst danach untersucht, müßten bei einem positiven Befund ebenfalls die anderen Tiere behandelt und das Terrarium wieder komplett gereinigt werden. Ein guter Allgemeinzustand der Tiere oder die Herkunft aus deutscher Nachzucht sind kein Garant für eine Parasitenfreiheit. Wildfänge tragen zwar oft exotische Parasiten in sich, die Parasitenbelastung ist häufig jedoch geringer als bei Nachzuchten.
    Jeglicher Parasitenbefall mit potentiell pathogenen Organismen sollte behandelt werden. Während wildlebende Tiere zwar meistens mit Parasiten infestiert sind, herrscht hier in der Regel ein Gleichgewicht, so daß der Wirt keinen Schaden nimmt. In Gefangenschaft jedoch ist der Infektionsdruck höher, es kommt zur ständigen Autoinfektion (das Tier nimmt die Eier, Oocysten etc. der eigenen Parasiten auf), wodurch der Befall schnell zum Problem werden kann. Manche, oft relativ harmlose Parasiten, wie z.B. Oxyuren sind sehr schwer zu eliminieren, dennoch sollte ein Befall regelmäßig kontrolliert und bekämpft werden. Nimmt die Infektion überhand, kann auch ein "harmloser" Wurmbefall tödlich enden. In jedem Fall schaden die Parasiten dem Wirt.
    Von einer prophylaktischen Behandlung (z.B. Wurmkur) ist jedoch dringend abzusehen, denn Tiere sollten nur Medikamente bekommen, die sie wirklich brauchen, und der Verzicht auf eine Kotuntersuchung verhindert das Aufdecken anderer Parasitosen. Eine Behandlung gehört, ebenso wie die Diagnostik, ausschließlich in die Hand eines Tierarztes, alles andere wäre nicht nur unzulässig, sondern auch nicht im Interesse der Tiergesundheit.

    Während einige Parasiten oder deren Stadien auch in älteren Proben gefunden werden können, ist für andere eine ausreichende Frische der Probe notwendig. Daher ist das Überbringen der Probe oder sogar deren Gewinnung vor Ort am empfehlenswertesten. Ist dies nicht realisierbar, so sollte die frische Probe schnellstmöglich an uns gesandt werden (Bitte lesen Sie die Hinweise zum Probenversand!). Die Standard-Kotuntersuchung umfaßt eine Nativuntersuchung sowie eine Flotation. Weitere Untersuchungen (Färbungen etc.) werden bei Bedarf und auf Anfrage durchgeführt.

    Behandlungsempfehlungen werden auf dieser Seite nicht gegeben, ebensowenig wie Dosisangaben. Es handelt sich um verschreibungspflichtige Medikamente, die Sie durch Ihren Haustierarzt, entsprechend dem Gewicht der Tiere, bekommen. Dieser kann sich gerne bzgl. eventueller Rückfragen mit uns in Verbindung setzen. Sollten die benötigten Medikamente nicht auf diesem Wege für Sie erhältlich sein, setzen Sie sich wegen eines eventuellen Medikamentenversandes bitte mit der Tierarztpraxis (s. www.reptilientierarzt.de) telefonisch in Verbindung.


      Beispiele häufiger Parasiten:
      Würmer:
      Ein Großteil der Reptilien hat einen Wurmbefall. Während freilebende Reptilien gesundheitlich meist relativ unbeeinträchtigt mit einem Wurmbefall leben können, so stellen Würmer in der Gefangenschaft ein Gesundheitsrisiko dar. Durch den Kontakt der Tiere und auch der Futtertiere mit dem Wurmeier enthaltenem Kot verstärkt sich die Parasitenbelastung und es besteht kein Gleichgewicht von Parasit und Wirt. Die häufigsten Würmer sind Nematoden (Rundwürmer) zu denen beispielsweise auch die Oxyuren (Pfriemenschwänze), Strongyliden (Hakenwürmer), Zwergfadenwürmer (Gattung Strongyloides) und die Spulwürmer (Askariden) gehören. Seltener sind Infektionen mit Bandwürmern (Cestoden) oder Saugwürmern (Trematoden).

      Kokzidien:
      Kokzidien sind einzellige Parasiten, die meist die Darmschleimhaut befallen, oder aber auch andere Organe wie die Gallengänge. Im Kot findet man die Oozysten dieser Parasiten.

      Flagellaten:
      Geißeltierchen sind Einzeller und stellen ein unterschätztes Problem bei Reptilien dar. Sie bewegen sich mit peitschenartigen Fortsätzen (flagellum (lat.) = die Geißel) fort und sind am einfachsten durch ihre Fortbewegung erkennbar und unterscheidbar. Während manche Flagellatenarten (Trichomonaden) bei Pflanzenfressern tatsächlich unschädlich sind (außer bei extrem starken Befall), sind andere (Hexamiten) in jedem Fall behandlungswürdig, da diese durch die harnableitenden Wege in die Nieren aufsteigen können und diese schädigen. Bei Fleisch- bzw. Insektenfressern ist ein Flagellatenbefall stets behandlungswürdig. Flagellaten verursachen Entzündungen des Magen-Darm-Traktes sowie des Harnapparates, der Kloake und können gelegentlich auch in anderen Organen gefunden werden. Um Flagellaten sicher nachweisen oder ausschließen zu können ist es wichtig, frisches Probenmaterial zu untersuchen. Insbesondere bei Schlangen empfiehlt sich die Untersuchung einer frischen Harnprobe. Bereits nach einigen Stunden ist in vielen Fällen ein Flagellatenbefall ohne weiteres nicht mehr nachweisbar.

      Kryptosporidien:
      Den Kokzidien ähnlich, jedoch um einiges kleiner sind die Kryptosporidien. Diese stellen ein nicht unbeträchtliches Problem dar. Die Diagnostik ist um einiges aufwendiger, als bei den meisten anderen Parasiten. Eine Kryptosporidienuntersuchung empfiehlt sich beim Zukauf insbesondere von Leopardgeckos, Kornnattern und Tieren aus dem Zoofachhandel. Mehr Informationen zu diesen Einzellern finden Sie auf www.cryptosporidien.de.

      Ziliaten:
      Wimperntierchen sind relativ harmlose Einzeller. Mit einem Saum aus feinen "Härchen" (cilium (lat.) = die Wimper) bewegen sie sich fort und strudeln Nahrungspartikel in sich hinein. Nur starke Befälle können beispielsweise Durchfälle verursachen und sollten behandelt werden.

      Amöben:
      Bei Reptilien treten verschiedene Amöbenarten auf, am häufigsten die Gattung Entamoeba, mit denen eine Infektion bei Schildkröten zwar meist harmlos verläuft, für andere Reptilien jedoch fatale Folgen haben kann. Manchmal kann man die Trophozoiten im frischen Kot entdecken, sicherer ist eine Färbung, um die Zysten darzustellen.
      Beispiele verschiedener (Pseudo-)Parasiten:

            
            
            
            
            


    Blutuntersuchungen (klin. Chemie):
    Die Untersuchung der klinischen Blutchemie ist eine hervorragendes Diagnostikum zur Einschätzung des Gesundheitsszustandes eines Tieres. Insbesondere die Leber- und Nierenfunktion kann so überprüft werden. Leider benötigen herkömmliche Geräte hierfür mindestens 0,3 ml Serum. Um dieses zu gewinnen, muß dem Tier mindestens ein halber Milliliter Blut abgenommen werden. Dem geübten Reptilientierarzt würde dies gelingen, jedoch würde der Verlust dieser Menge Blutes für viele unserer kleinen Patienten den Tod bedeuten. Dank modernster Technik ist es in unserem Labor möglich bereits mit einer viel geringeren Menge Vollblutes (0,1 ml) alle releventen blutchemischen Parameter zu bestimmen. Da sich andere Gerinnungshemmer bei Reptilienblut nicht eignen (Volumenveränderung, Hämolyse etc.) ist heparinisiertes Blut zu verwenden und in kleinen Heparinröhrchen zu versenden. Die Blutabnahme hat durch einen Tierarzt zu erfolgen. Folgende Parameter werden gemessen:

    ALB Albumin ist, wie auch das Globulin, ein globuläres Protein. Es wird in der Leber gebildet und dient in erster Linie der Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Druckes, verhindert also die Ablagerung von Wasser im Gewebe, sowie dem Transport von wasserunlöslichen Substanzen. Außerdem besitzt es eine Pufferfunktion. Ein niedriger Albuminwert kann Hinweis auf eine Leber-, Nieren- oder Darmerkrankung geben.
    AST Die Aspartataminotransferase wird in den Leberzellen gespeichert. Erhöhte Werte können auf einen Leberzelluntergang, also eine Leberschädigung oder aber auf eine Muskelschädigung hinweisen.
    BA Gallensäuren (Bile Acids) sind an der Verdauung beteiligt und werden im enterohepatischen Kreislauf über die Pfortader vom Darm zurück zur Leber transportiert. Ein erhöhter Gallensäurespiegel weist auf eine Erkrankung der Leber oder eines galleabführenden Organs hin.
    Ca++ Der Blutkalziumspiegel unterliegt abhängig von Geschlecht, Jahreszeit (Reproduktionsphase) und Ernährung großen Schwankungen. Dennoch ist dieser Wert in Zusammenhang mit anderen hilfreich. Ist der Kalziumspiegel erhöht, spricht dies in Kombination mit einem erhöhten AST-Wert dafür, daß letzterer durch Muskelschäden und nicht (nur) durch eine Lebererkrankung verursacht wird. Durch an Albumin und andere Eiweiße gebundenes Kalzium kann der Spiegel jedoch auch erhöht sein. Niedrige Werte, sowie ein unausgeglichenes Ca/P-Verhältnis sprechen für Mängel in der alimentären Kalziumaufnahme oder eine Nierenerkrankung.
    CK Die Kreatinkinase ist ein relativ muskelspezifisches Enzym. Bei Mukselzellschädigung und Anstrengung kann dieser Wert erhöht sein. Liegt der Wert im Normbereich bei zeitgleich erhöhtem AST-Wert, ist davonauszugehen, daß letzterer durch eine Leberschädigung verursacht ist.
    GLU Der Glukosespiegel ("Blutzucker") kann durch Streß oder Diabetes ansteigen oder bei Vergiftungen, Lebererkrankungen und durch Nahrungsmangel/Anorexie absinken.
    GLOB Ein erhöhter Globulingehalt kann durch Dehydrierung auftreten.
    K+ Der Kaliumwert zeigt Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt an, verursacht durch Infusionstherapie, Hämolyse, Erkrankungen der Nebenniere oder andere Stoffwechselstörungen.
    Na+ Der Natriumwert erhöht sich bei Dehydrierung und verändert sich durch Infusionstherapie.
    PHOS Ein erhöhter Phosphatwert ist der wichtigste Indikator für Nierenerkrankungen, dann meist mit einem erhöhten Harnsäurewert einhergehend. Zusätzlich ist das Ca/P-Verhältnis zu beachten.
    UA Erhöhte Harnsäurewerte (Uric Acid) entstehen bei einer Niereninsuffizienz.
    TP Der Gesamteiweißgehalt (Total Protein) wird bei Dehydrierung erhöht. Bei chronischen Lebererkrankungen sowie bei Erkrankungen der Niere und des Magen-Darm-Traktes kann er verringert sein.


    Bakteriologische Untersuchungen:
    Bakterien sind die häufigsten Verursacher von Abszessen, Lungenentzündungen und anderen respiratorischen Erkrankungen, Hauterkrankungen und vielen anderen Krankheiten. Verschiedene Erreger sind fast immer vorhanden, bei durch Streß, Parasiten oder Unterkühlung geschwächtem Immunsystem oder durch Verletzungen beispielsweise können sie Erkrankungen verursachen. Durch die frühzeitige Gabe von passenden Antibiotika können die Keime unterdrückt werden, so daß eine Heilung eintreten kann. Leider handelt es sich bei Reptilien meist um multiresistente Erreger, nicht zuletzt durch den massiven Mißbrauch von Antibiotika in Laienhand. Bei einer akuten Erkrankung ist es daher sinnvoll einen Resistenztest anzufertigen. Mit einem sterilen Tupfer kann eine kleine Menge der Erreger aufgenommen werden und auf einem Nährboden vermehrt werden. Mit dieser Kultur kann ein Resistenztest angefertigt werden, bei dem die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika auf diesen Keim sichtbar wird. Die üblichen in der Veterinärmedizin eingesetzten Antibiotika sind leider häufig nicht die in der Reptilienmedizin relevanten Wirkstoffe. Daher haben wir eine hauseigene Zusammenstellung von Antibiotika verschiedener Wirkstoffgruppen, aus der (fast) immer ein gefahrlos einzusetzendes und wirksames Antibiotikum hervorgeht. So kann der nutzlose und teils belastende Einsatz von Medikamenten verhindert und dem Tier schnell geholfen werden. Die Dauer von der ersten Beimpfung der Nährböden bis zum Ergebnis des Resistenztest beträgt meist vier Tage. Die gestesteten Antibiotika sind Enrofloxacin, Cefovecin, Cefquinom, Metronidazol, Spiramycin, Neomycin, Ampicillin und Tulathromycin. Weitere Antibiotikatests stehen zur Verfügung und können auf Nachfrage zusätzlich getestet werden. Die Tupferprobenentnahme bei klinisch unauffälligen Tieren ist nicht sinnvoll.



www.reptilienlabor.de