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Chamäleons


Chamäleons gehören für viele Menschen zu den faszinierendsten Tieren überhaupt und erfreuen sich daher sehr großer Beliebtheit als Terrarientiere.
Leider gehören sie auch zu den anspruchsvollsten Tieren und kleine Haltungsfehler können schnell zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Chamäleons können daher nicht als Anfängertiere empfohlen werden.

Wie auch bei allen anderen Tierarten gibt es im Internet viele gute und viele falsche Informationen.
Die wichtigsten Aspekte der Chamäleonhaltung werden daher im Folgenden genannt, das Studium weiterer Literatur ist jedoch dringend angeraten.

Chamäleonarten
Die etwa 160 Chamäleonarten sind in Afrika und Madagaskar, sowie Teilen Südeuropas und Asiens beheimatet. Einen Überblick über die verschiedenen Chamäleonarten finden Sie auf der Seite der AG Chamäleons. Diese Arten haben sehr unterschiedliche Ansprüche, und deren Kenntnis ist Voraussetzung um ein Chamäleon am Leben zu halten. Manche Arten beispielsweise leben in mehreren Tausend Metern Höhe, sind sehr empfindlich gegenüber höheren Temperaturen und haben ein hohes Frischluft- und Feuchtigkeitsbedürfnis und sind daher kaum für die normale Terraristik geeignet.
Informieren Sie sich also bitte vor (!) der Anschaffung eines Tieres, unabhängig von den Angaben, die Sie im Zoofachhandel bekommen, ausführlich über dessen Haltungsansprüche.
Anders als im Allgemeinen angenommen, dient der Farbwechsel übrigens nicht der Tarnung der Tiere, sondern der Kommunikation untereinander und dem Ausdruck von Stimmungen. Zeigt ein Patherchamäleonmännchen seine ganze Farbpracht ist dies meistens eher ein Zeichen von Streß als von Wohlbefinden.

Am ehesten für die Hobbyhaltung geeignet sind die am weitesten verbreiteten Chamäleonarten Chamaeleo calyptratus, das Jemen-Chamäleon und Furcifer pardalis, das Pantherchamäleon.

Männchen oder Weibchen
Während bei den meisten Arten ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus (das Männchen sieht deutlich anders aus als das Weibchen) besteht, ist dieser bei Jungtieren meist noch nicht ausgeprägt. Beim Jemenchamäleon jedoch sind männliche Tiere direkt nach dem Schlupf an ihren Fersenspornen zu erkennen. Männliche Pantherchamäleons kann man erst später an den ausgeprägten Hemipenes und auch an ihrer farbenprächtigen Färbung und dem gegabelten Nasenfortsatz erkennen. Wenn Sie nicht beabsichtigen die Tiere zu vermehren, empfiehlt sich die Haltung eines männlichen Tieres. Diese sind langlebiger und können keine Probleme mit der Eiablage bekommen. Wenn Sie mehrere Tiere halten, achten Sie darauf, daß diese keinen Sichtkontakt haben, auch nicht über Spiegelungen, da dies einen starken Streß für die Tiere bedeutet. Auch wenn es oft anders angegeben wird, empfiehlt sich stets eine Einzelhaltung der Tiere.

Terrarium
Ein Terrarium für Chamäleons sollte eine große Belüftungsfläche haben und geräumig sein. Damit das Tier das Volumen des Terrariums auch ausnutzen kann, muß es mit viel Geäst eingerichtet sein. Pflanzen sind wichtig für das Klima und für den Sichtschutz des Tieres. Da viele Chamäleons gerne auch Blätter fressen, ist auf knstliche Pflanzen zu verzichten. Auch giftige Pflanzen sollten gemieden werden. Auch der häufig verwendete Ficus benjamina kann, wenn auch nur in seltenen Fällen, zu Vergiftungen führen und ist daher nicht zu empfehlen.
Die oft erwünschte Fraihaltung im Zimmer birgt diverse Gefahren, nicht allein wegen der schlechteren Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle und ist daher nicht anzuraten. Im Sommer jedoch können Chamäleons in einem Gazeterrarium draußen gehalten werden. Zugluft ist auch hier zu vermeiden und das Tier muß stets in den Schatten ausweichen können.
Mangelerscheinungen bei Chamäleons sind sehr häufig. Es ist unbedingt auf eine ausreichende Versorgung mit UVB-Strahlung zu achten. Starke UV-Strahler sind hier notwendig, da der Abstand zur Lampe nicht zu gering sein darf. Nicht selten erleiden Chamäleons Verbrennungen, obwohl sie keinen hohen Temperaturen ausgesetzt sind.
Als Bodegrund eignet sich eine hohe Schicht aus beispielsweise Kokosfaser-Sand-Gemisch, da diese Feuchtigkeit speichert und so für ein besseres Klima sorgt. Weibliche Tiere können hierin auch ihre Eier ablegen. Mulch oder Holzstückchen sind ungeeignet, da sie diese Bedingungen nicht erfüllen und gegebenenfalls sogar mitgefressen werden können (indem sich ein Futtertier daran festklammert) und so zu schwerwiegenden Verstopfungen führen können.

Fütterung
Wie alle Reptilien haben Chamäleons einen viel niedrigeren Energiebedarf als Säugetiere. Daher ist ein Überfütterung zu vermeiden. Ein Chamäleon darf niemals satt gefüttert werden. Auf Larven (Zophobas, Mehlwürmer, Wachsmottenlarven etc.) ist wegen des hohen Fett- und Eiweißgehaltes zu verzichten. Mindestens ein Fastentag muß eingehalten werden. Die Futtertiere selbst sollten wohlgenährt sein und mit einem Vitaminpräparat aufgewertet werden. Sie können z.B. in einem leeren Joghurtbecher angeboten werden, nicht jedoch von der Pinzette, da es dabei zu Faserverletzungen in der Zunge kommen kann. Zusätzlich sollte Kalzium stets z.B. als gebröselter Sepiaschulp in einer Schale zur Verfügung stehen.

Wasser
Die Unterversorgung mit Wasser führt schnell zu tödlichen Nierenerkrankungen, Verstopfungen und Häutungsschwierigkeiten. Wasser sollte so oft wie möglich angeboten werden, sowohl per Tropftränke, per Pipette/Spritze und durch das regelmäßige Besprühen der Blätter (nicht des Tieres), wodurch auch die allgemeine Luftfeuchtigkeit vorübergehend erhöht wird.

Vermehrung
frisch geschlüpfte JemenchamäleonsDie Nachzucht von Chamäleons gehört zu den schönsten Aspekten in der Chamäleonhaltung. Wichtig ist jedoch, sich vorher zu überlegen, wohin die Tiere nachher kommen sollen. Die meisten Arten sind eierlegend und nicht selten legt ein Tier 40 Eier, aus denen nach mehreren Monaten dann junge und hungrige Chamäleons schlüpfen. Jede Eiproduktion und Eiablage bedeutet eine starke Belastung für das Muttertier und nicht selten kommt es zu Komplikationen. Bei den kleinsten Anzeichen einer Legenot oder Schwächung des Tieres sollte umgehend tierärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, um das Tier retten zu können. Während der Trächtigkeit ist noch intensiver auf Streßfreiheit, gute Calciumversorgung und gute Eiablagemöglichkeiten zu achten.

Transport
Unnötiger Streß ist zu vermeiden, jedoch ist dies kein Grund auf einen notwendigen Transport, beipsielsweise einen Tierarztbesuch, zu verzichten. Streß entsteht nicht durch den Transport, sondern die falsche Methode. Anstelle in einem durchsichtigen Kunststoffbehältnis ist ein Chamäleon zum Transport besser in einer dunklen Kiste wie einem Schuhkarton untergebracht. Im Dunkeln fühlt sich das Tier weder gesehen, was Gefahr bedeuten würde, noch sieht es elbst etwas. Meist schlafen die Tiere während des Transportes. In dieser Kiste sollte ein Zweig gut befestigt sein, auf dem das Tier sitzen kann. Je nach Außentemperatur empfiehlt sich eine (nicht zu heiße) Wärmflasche in die Kiste zu legen.

Krankheiten
Da die meisten Krankheiten haltungsbedingt sind, lassen sie sich durch möglichst ideale Haltungsbedingungen vermeiden. Dennoch können auch nahezu optimal gehaltene Chamäleons erkranken. In jedem Fall sollte auch bei scheinbar gesunden Tieren mindestens der Kot auf Parasiten untersucht werden. Chamäleons sind sehr empfindlich und können an Infektionskrankheiten oder einer Legenot sehr schnell sterben. Daher ist ein Tier bei dem kleinsten Anzeichen einer Erkrankung (z.B. Atemnot, Schwäche, Einsinken der Augen etc.) sofort tierärztlich untersuchen zu lassen. Der Halter selbst sollte das Tier regelmäßig wiegen, Maulwinkel und Füße auf Hautreste und entzündliche Veränderungen kontrollieren und auf sonstige Auffälligkeiten achten.


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