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Inkubation


Die Nachzucht von Reptilien sollte einer der Hauptaufgaben in der Terraristik sein. Sie bereitet dem Halter große Freude und die Bestätigung einer wahrscheinlich guten Haltung, zudem er so nicht nur zum Tierverbraucher sondern zum Tierproduzenten wird.
Einige Aspekte sind jedoch zu beachten:

  • Ist das Muttertier groß und kräftig genug?
  • Habe ich einen Abnehmer für den Nachwuchs?
  • Gehören die Elterntiere zur gleichen Unterart?
  • Im Falle geschützter Arten: Sind die Elterntiere angemeldet?
Auf die Inkubation der Eier der vielen eierlegenden Arten kann hier nicht eingegangen werden, da diese von Art zu Art unterschiedlich ist. Bei manchen Arten ist eine lange kühle Ruhephase für erfolgreiche Nachzucht notwendig, die Eier anderer Arten benötigen mehr als ein Jahr zum Schlupf etc. Einige allgemeingültige Hinweise sollen aber gegeben werden:
  • Zur Eiablage muß das Muttertier verschiedene Möglichkeiten haben. Im Allgemeinen bewährt sich für viele Echsen eine undurchsichtige Kunststoffdose mit Öffnung (z.B. Eisdose mit herausgeschnittener Ecke im Deckel) gefüllt mit einem leicht feuchten Torf-Sand-Gemisch. Schlangen legen ihre Eier gerne unter flache Rindenstücke in das feuchte Substrat oder in mit Moos ausgelegte verschlossene Blumentöpfe, während Schildkröten Sandhügel bevorzugen. Bitte setzen Sie sich mit den Bedürfnissen der jeweiligen Tierart auseinander.
  • Das Muttertier sollte streßfrei gehalten werden. Zu aufdringliche Männchen oder neugierige Tierhalter können eine Legenot verursachen und sollten ferngehalten werden. Insbesondere sollten Legehöhlen nicht kontrolliert werden, solange sich das Muttertier noch darin befindet.
  • Während der Trächtigkeit und vor der Eiablage sollte intensiv auf eine gute Kalziumversorgung geachtet werden. Durch den erhöhten Verbrauch für die Eiproduktion kann es beim Muttertier zum Kalziummange kommen, wodurch ihr die zur Eiablage notwendige Kraft fehlt.
  • Vor der Ablage wird das Muttertier einige "Probegrabungen" durchführen und die Nahrungsaufnahme einstellen. Hört das Tier ganz auf zu graben, ohne die Eier gelegt zu haben, oder verliert es einzelne Eier, ist dies oft ein Anzeichen einer Legenot und sollte tierärztlich abgeklärt werden.

  • Eine Legenot kann je nach Situation auf unterschiedliche Weisen behoben werden. In jedem Fall sollte die Situation genau bekannt sein (z.B. Ultraschall) bevor weheneinleitende Mittel verabreicht werden.
  • Bei vielen Arten wird das Geschlecht über die Inkubationstemperatur festgelegt. Bei Leopardgeckos beispielsweise erhält man bei einer Bebrütung bei ca. 26 Grad C mehr weiblichen Nachwuchs, bei Temperaturen um 28 Grad C mehr männlichen. Bei vielen Schildkrötenarten verhält es sich umgekehrt, dort schlüpfen bei höheren Temperaturen mehr weibliche Tiere.
  • Je höher die Temperatur, umso schneller schlüpfen die Jungtiere, jedoch steigt auch die Anzahl der Mißbildungen.
  • Im Gegensatz zu Vogeleiern dürfen Reptilieneier ab kurz nach der Eiablage bis kurz vor dem Schlupf nicht mehr gedreht werden, da der Keim sonst ersticken kann.
  • Das "Schieren", das Durchleuchten der Eier kann zwar Hinweise darauf geben, ob ein Ei befruchtet ist oder nicht, ist jedoch kein zuverlässiges Mittel weswegen Eier nicht zu früh entsorgt werden sollten.
  • Das zur Inkubation gerne verwendete Vermiculit, einem feuchtigkeitsspeichernden Baustoff, ist lediglich zur Bebrütung der Eier zu verwenden. In einer Ablagebox hat es nichts zu suchen.
  • Eine Nachtabsenkung, das Ausschalten des Inkubators über Nacht kann die Inkubationszeit geringgradig verlängern, jedoch evtl. auch zu besseren Schlupfergebnissen führen.
  • Viele Jungtiere verweilen nach Aufbrechen der Schale noch einige Zeit im Ei und zehren dort noch am Dottersack. Die Tiere sollten nicht aus den Eiern geholt werden. Reißt der Dottersack ab, ist dies für die Tiere meist unproblematisch, ihnen fehlt allerdings Nährstoffe, die ihnen einen guten Start ins Leben sicherstellen.
  • Gesunde Tiere sollten es selber aus dem Ei schaffen. Nur in seltenen Fällen beispielsweise zu dicker Eischalen ist ein Nachhelfen erforderlich oder sinnvoll.
  • Mit Schlüpflingen ist vorsichtig umzugehen, Sie fressen oft nicht sofort nach dem Schlupf, sondern erst nach der ersten Häutung.


Neben handelsüblichen Inkubatoren eigenen sich auch für geringe Kosten selbst gebaute Apparate für die Bebrütung der Eier:

Materialbedarf: altes Aquarium oder Kunststoffkiste (wasserdicht), Aquarienheizstab, Ziegelstein
  • Ziegelstein auf den Behälterboden legen
  • Behälter bis zum oberen Rand des Steines mit Wasser füllen
  • Heizstab einsetzen und auf die gewünschte Temperatur einstellen
  • saubere Heimchendosen o.ä. mit feuchtem Vermiculit oder Sand füllen, ggf. oben markierte Eier in kleine Mulden legen
  • um Schimmel durch herabtropfendes Kondenswasser zu vermeiden, Taschentuch zwischen Deckel und Heimchendose legen, Deckel auflegen
  • Dosen mit Eiern auf Ziegelstein stellen
  • Behälter abdecken
  • wenn erwünscht Zeitschaltuhr anschließen
  • gelegentlich Substratfeuchtigkeit kontrollieren und ggf. mit Trinkhalm in Ecke nachfeuchten
  • zum erwarteten Ende der Inkubationszeit täglich kontrollieren, geschlüpfte Jungtiere vorsichtig in mit Küchentuch ausgelegten Behälter setzen


www.reptilientierarzt.de