zurück


Insektenfresser


Die meisten Echsen sowie andere Reptilien sind insektivor, sie ernähren sich von Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Manche sind omnivor oder polyvor, sind also Gemischköstler und fressen auch einen Anteil pflanzlicher Nahrung. Als Halter solcher Tiere ist es nicht immer leicht das Angebot, das die Tiere in der Natur haben so zu ersetzen, daß die Tiere alle notwendigen Nährstoffe bekommen, aber auch nicht überfüttert werden. Daher folgen nun einige Hinweise zum Verstädnis der Ernährung und Tips zur Fütterung.

Der Stoffwechsel von Reptilien hat einen viel niedrigeren Energiebedarf als der der Säugetiere. Während wir den Großteil der Energie, die wir aufnehmen, dazu verwenden unsere Körpertemperatur und die Grundfunktionen des Körpers aufrecht zu erhalten, nehmen Reptilien die Wärme von außen auf. Kühlt der Reptilienkörper ab, so nehmen zwar auch die Körperfunktionen ab, jedoch wird auch der Energieverbrauch stark reduziert. Der Bedarf an Futter ist viel geringer, so daß Fastentage nicht nur möglich, sondern notwendig sind, um eine Verfettung der Tiere zu vermeiden. Reptilien setzen weniger das Fett unter der Haut an, als daß es zur Speicherung von Fett in den Fettkörpern in der Bauchhöhle und bei manchen Arten im Schwanzbereich kommt. Bei einer starken Energiezufuhr und niedrigem Verbrauch, wie es unter den für die Reptilien komfortablen Terrarienbedingungen der Fall ist, kommt es leider auch sehr schnell zu einer Leberverfettung, die sich negativ auf Gesundheitszustand und Lebenserwartung der Tiere ausübt.
Schnell gewachsene, prächtig aussehende Bartagamen beispielsweise, die viele Insekten zu fressen bekommen, sind also meist nur scheinbar gesund. Bei solchen Gemischtköstlern sollte insbesondere bei adulten Tieren die eiweiß- und fettreiche Insektenfütterung auf einem Minimum gehalten werden und auf Obst wegen des Zuckergehaltes gänzlich verzichtet werden. Die Zufuhr von Zucker an überwiegend insektenfressende Echsen, wie z.B. Phelsumen, die auch gerne etwas Honig, Joghurt oder Fruchtbrei aufnehmen, muß ebenso sehr minimal gehalten werden.
Auch die Verfütterung von jungen Mäusen an Echsen ist, auch wenn sie auch in der Natur Wirbeltiere zu sich nehmen, unter Terrarienbedingungen selten sinnvoll. Auch Warane verfetten sehr schnell bei einer regelmäßigen Gabe von Eiern, Küken oder Mäusen.

Vielmehr ist eine gute Ernährung mit Wirbellosen sicherzustellen. Die Auswahl ist im Vergleich zur Natur extrem gering. Während sich viele Tiere von den verschiedensten Käfern mit den wiederum verschiedenst gefüllten Därmen ernähren, bleibt uns in der Terraristik nur eine kleine Artenvielfalt übrig. Durch die suboptimale Zusammensetzung der Futtertiere käme es schnell zu Mangelerscheinungen. Daher müssen wir die vorhandenen Futtertiere aufwerten. Zum einen geschieht dies durch eine vernünftige Ernährung der Futtertiere selbst. Anstatt sie in den "Heimchendosen" zu belassen empfiehlt es sich die Tiere in ein ausbruchssicheres Terrarium oder einen ähnlichen Behälter zu setzen und dort gut zu ernähren. Auf diese Weise überleben die Futtertiere länger und sind wenn sie dann gefressen werden um einiges wertvoller als vertrocknete Insektenhüllen.
Dieser Behälter sollte mit einer dünnen Sandschicht ausgelegt sein, Eierkartons können die Lauffläche vergrößern, Feuchtfutter sollte z.B. auf einem Heimchendosendeckel angeboten werden. Dies hat zwei Vorteile: beginnt das Futter zu schimmeln, kann der Deckel komplett entfernt werden. Des weiteren besteht die Möglichkeit, den Tieren vorübergehend alle Feuchtnahrung zu entziehen, wodurch sie durstig werden und einen vorbereiteten Vitamin- oder Calciumbrei gerne aufnehmen. Zusätzlich sollten sie mit einem hochwertigen Vitaminpräparat (leider erfüllen die wenigsten im Zoofachhandel erhältlichen Präparate diesen Anspruch) eingestäubt werden. Unabhängig vom Calciumgehalt solcher Präparate muß eine zusätzliche Calciumzufuhr gewährleistet sein. Mehr dazu finden Sie auf den entsprechenden Merkblättern.
Es empfiehlt sich auch der Einsatz einer kleinen Vogeltränke im Insektenbehälter zur Wasserversorgung; hier sollte die Öffnung mit etwas Watte verstopft sein, da die Insekten sonst in der Tränke ertrinken können. Als weitere Nahrung bieten sich Haferflocken, Hunde- oder Fischtrockenfutter an, sowie Gemüse unterschiedlicher Art. Auch Reptilienfertigfutter kann an Insekten verfüttert werden, für die direkte Verfütterung an Reptilien ist es jedoch in den seltensten Fällen geeignet, da es zu eiweißreich und rohfaserarm ist.

Sehr leicht selber zu züchten und ein hervorragendes Futter sind übrigens Schaben. Auch Heuschrecken sind ein beliebtes Futter, das jedoch stets mit Nahrung (zur Not auch frischem Gras) versorgt sein muß und nur bei hohen Temperaturen um 30 Grad C überlebt. Die Zucht stellt sich hier als etwas aufwendiger dar. Bei Heimchen ist ein Entweichen zu verhindern, da diese schnell zur Plage im Haushalt werden können, die meisten anderen Grillenarten überleben bei uns nicht.
Larven sind übrigens viel fett- und eiweißreicher als adulte Insekten und zusätzlich oft schlecht verdaulich. Die Verwendung von Mehlwurm, Zophobas, Wachsmottenlarve etc. ist also nicht ratsam. Nicht selten werden Tiere mit nur noch schwachen Lebenszeichen in der Praxis vorgestellt, die sich mit Mehlkäferlarven überfressen haben.
Falter oder andere Insekten, die sich in die Wohung verirren werden übrigens als leckere Abwechslung sehr gerne angenommen. Es ist jedoch darauf zu achten, daß keine geschützten Arten verfüttert werden. Auch Stab- und Gespenstheuschrecken sind wegen ihrer hohen Reproduktionsrate als Futtertiere sehr gut geeignet. Für viele Waranarten, Skinke und Tejus empfiehlt sich auch eine Achatschneckenzucht, die nicht aufwendig zu betreiben ist. Anleitungen finden Sie zuhauf in der Literatur wie im Internet.



www.reptilientierarzt.de