Die Fütterung pflanzenfressender Reptilien



Aufgrund der vielen Reptilienarten mit unterschiedlichen Ansprüchen, kann kein allgemeingültiger Text über die Ernährung pflanzenfressender Reptilien verfaßt werden. Wegen der großen Unsicherheit vieler Halter, möchte ich hier aber dennoch einige Hinweise geben.

Die meisten ungiftigen Pflanzen aus Garten, Park und Wald sind für die Fütterung pflanzenfressender Reptilien (wie Landschildkröten, viele Leguan- und Agamenarten etc.) bestens geeignet. Sie sollten natürlich nicht direkt an Straßen geerntet werden. Wenn Sie eine Pflanze nicht bestimmen können, verzichten Sie auf die Verfütterung, da die einheimische Flora viele Giftpflanzen umfaßt. Dies gilt selbstverständlich auch für Zier- und Zimmerpflanzen. Die meisten für den Menschen eßbare Pflanzen sind auch für die Verfütterung an Tiere geeignet. Manche Pflanzen wie Rhabarber, Sauerampfer und Spinat enthalten viel Oxalsäure und sollten daher gemieden werden. Oxalsäure verbindet sich mit Calcium und kann somit u.a. zur Steinbildung führen. Kohlarten können Verdauungsprobleme verursachen, daher sollte auf die Verfütterung verzichtet werden.


Beispiele hervorragender Futterpflanzen; diese Pflanzen können auch leicht selbst kultiviert werden, im Allgemeinen gelten sie als "Unkraut":
Sind Ihnen Pflanzen nicht bekannt, besuchen Sie wikipedia und geben dort den Namen ein! Hilfreich sind auch Seiten wie www.pflanzenbestimmung.de, www.schildifutter.de und das Heft "Futterpflanzen".

  • Löwenzahn (einschließlich Blüte)

  • Wegerich

  • Süßklee

  • Giersch

  • Brennessel

  • Kresse (z.B. Kapuzinerkresse)

Um das Menü abzurunden können verschiedene, jedem bekannte Küchenkräuter wie Petersilie, Basilikum etc.) zugegeben werden.

Die oben aufgeführten Pflanzen haben ein sehr günstiges Calcium/Phosphor-Verhältnis.
Die meisten Blattsalatarten jedoch sind nicht nur rohfaserarm, sondern auch Calciumarm.
Eine positive Ausnahme bildet hier der Latuga romana (auch Romana-Salat oder Latuga-Salat genannt) und ist als Grundfutter das ganze Jahr über erhältlich. Die großgewachsenen Salate vom Gemüsehändler sind den Salatherzen aus dem Supermarkt insofern überlegen, als daß ihr Rohfasergehalt höher und ihr Proteingehalt niedriger ist.

Im Allgemeinen ist dies bei allen Pflanzen der Fall. Junge Pflanzen, insbesondere Keimlinge, Sprossen (Sojasprossen etc.) und Hülsenfrüchte sind reine Proteinbomben und sollten daher nur in Maßen verfüttert werden. (Dies gilt auch bzw. insbesondere für Tiere wie Dornschwanzagamen, die als Hülsenfrüchtefresser bekannt sind!)

Auch Gemüsefrüchte können verfüttert werden, dies jedoch nur in Maßen. Gurken, Tomaten etc. sind, wenn nicht genügend rohfaserreiche Kost gegeben wird, häufig ein Grund für Durchfälle und andere Verdauungsprobleme. Auch Rübenfrüchte, wie auch die Karotte eine ist, sind sehr energiereich und sollten nur in kleinen Mengen beigefüttert werden.

Noch mehr Auswirkungen hat die Verfütterung von Obst. Hier gibt es ganz klare Unterschiede zu anderen Pflanzenteilen. Die darin enthaltenen Zucker stören die Darmflora und bieten eine übermäßige Menge an Energie, was zu Verdauungsstörungen und Verfettung führen kann. So gerne die Tiere Obst auch fressen, sollte (von den Arten abgesehen, bei denen Obst definitiv auf dem Speiseplan steht, wie einige tropische Landschildkröten) auf die Verfütterung, entgegen der weit verbreiteten Meinung, möglichst gänzlich verzichtet werden.
Um dem Tier Abwechslung oder „Leckerchen“ zu bieten, sollten eher ungiftige Blüten (Hibiskus, Gänseblümchen, Löwenzahn) und diverse Kräuter (s.o.) angeboten werden. Auch Gemischköstler (wie Bartagamen) brauchen kein Obst, im Gegenteil. Gegen die seltene Gabe eines Stückchens einer Erdbeere oder Papaya ist jedoch nicht einzuwenden.


Übrigens können auch Pilze angeboten werden, diese sind zwar keine Pflanzen im eigentlichen Sinne, werden von machen Arten aber gerne gefressen (manche Schildkrötenarten sind auf den Pilzverzehr spezialisiert). Möglicherweise kann die Vitamin D-Versorgung durch das in Pilzen enthaltene Calciferol unterstützt werden.

Sepiaschulp als Calciumquelle sollte immer angeboten werden (zerrieben, im Stück und gebröselt, jedoch niemals im Bodengrund). Eine zusätzliche Vitaminsubstituierung kann sinnvoll sein, wobei die meisten erhältlichen Mittel nicht empfehlenswert sind. Bei abwechslungsreich gefütterten Tieren, die ausreichende UV-Bestrahlung bekommen, ist dies in der Regel jedoch nicht notwendig.

Völlig vermieden werden sollten Fertigfutterpellets, da diese nicht genügend Rohfaser, dafür jedoch zuviel Protein enthalten. Einzige Ausnahme sind für heufressende Arten Heucobs, die nichts anderes als gepreßte Wiese darstellen. Diese können mit etwas Wasser aufgeweicht angeboten werden. Wegen Schimmelbildung sollten diese nach spätestens zwei Tagen entfernt werden. In der Regel werden sie nur von Landschildkröten nach einer Gewöhnungszeit angenommen. Solange die Tiere kein Gewicht verlieren gilt: Hunger ist der beste Koch!


© K.Biron / www.reptilientierarzt.de