UV-Licht
Die ausreichende Versorgung mit Licht und Wärme ist für die Haltung von wechselwarmen Reptilien eine wichitge Grundvoraussetzung. Zusätzlich zum sichtbaren Licht spielt das für uns unsichtbare UV-Licht eine bedeutende Rolle. Während UVA-Strahlen dem Wohlbefinden Tiere zuträglich sind, benötigen sie, wie die meisten Wirbeltiere auch UVB-Strahlung (ultraviolettes Licht im Bereich von etwa 280-320 Nanometer). Dadurch kann ein Provitamin in das für den Calciumstoffwechsel wichtige Vitamin D3 umgewandelt werden. Mangelt es an UVB-Licht und somit an verfügbarem Vitamin D3, kommt es zu schwerwiegenden Stoffwechselerkrankungen. Oft zeigt sich dies zuerst als akute Hypokalzämie durch ein Zittern der Muskulatur, denn auch für jede Muskelkontraktion wird Calcium benötigt. Die fortschleichende Entmineralisierung der Knochen führt zu einer Erweichung derselben, bis hin zu Frakturen des Kiefers oder der Gliedmaßen. In den meisten Fällen bemerkt der Halter den Mangel erst, wenn es zu spät ist. Echsen zeigen oft einen "Knick" in der Wirbelsäule, einhergehend mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Lähmung der Hintergliedmaßen (ähnlich einer Querschnittslähmung). Bei Schildkröten spielt die Hypovitaminose D eine große Rolle bei der Höckerbildung und Panzererweichung. In vielen Fällen kann durch intensive, langwierige Behandlung das Tier gerettet werden und eine akzeptable Lebensqualität wiederhergestellt werden. Besser jedoch ist die Vermeidung dieser Mangelerscheinungen durch ausreichende Versorgung mit UVB-Licht.
Dabei ist darauf zu achten, wie stark die Tiere unter natürlichen Bedingungen ultravioletter Strahlung ausgesetzt sind und wovon sie sich ernähren. Bei Schlangen und vielen nachtaktiven, carnivoren Echsen scheint die UV-Strahlung eine untergeordnete Rolle zu spielen, sie ist nicht lebensnotwendig, trägt aber zum Wohlbefinden der Tiere bei. Diese Arten ernähren sich von Beutetieren, die das Tier mit ausreichend Vitaminen versorgen. Zusätzlich lassen sich auch Vitaminpräparate einsetzen, die bei Pflanzenfressern jedoch vermieden werden sollten (s. auch Vitamine).
Sonnenanbeter wie grüne Leguane, die meisten Chamäleons, Taggeckos, Bartagamen und Landschildkröten hingegen können sich ohne ausreichende UVB-Bestrahlung nicht richtig entwickeln und leben. Tiere, die fast das gesamte Jahr im Freiland gehalten werden, bekommen ausreichend UVB-Licht ab, auch wenn die Intensität meist um einiges geringer ist, als in den Ursprungsländern. Bei Terrarientieren jedoch ist eine künstliche Bestrahlung vonnöten.
Ultraviolette Strahlung hat die Eigenschaft, durch Glas/Plexiglas gefiltert zu werden. Desweiteren nimmt die Intensität mit steigender Distanz exponentiell ab. Die Tiere müssen also direkt und aus einer an die Lichtquelle angepaßten Entfernung bestrahlt werden. Für Freigehege gibt es UV-durchlässiges Spezialplexiglas.
Nun stellt sich die schwierige Frage: welches Leuchtmittel ist denn am geeignetsten. Direkt vorab: die perfekte Lampe gibt es nicht; Abbildungen von Reptilien auf der Packung, ein hoher Preis oder UV-Prozentangaben etc. sind keinerlei Hinweis darauf, daß es sich tatsächlich um ein für Reptilien geeignetes Leuchtmittel handelt. Hinzu kommt daß UV-Licht ein viel diskutiertes Thema ist, und viele auf Fehlinformationen beruhende Meinungen von Fachleuten wie auch von Laien und Händlern verbreitet werden, die es für den Halter nicht gerade einfach machen, die richtige Wahl zu treffen.
Es ist immer eine Kombination verschiedener Leuchtmittel vonnöten, selbstverständlich muß neben der UVB-Versorgung auch eine ausreichende Beleuchtung und Beheizung sichergestellt sein, die Schaffung von Sonnenplätzen sowie eines Temperaturgradienten (wärmere Bereiche auf der einen und kühlere Bereiche auf der anderen Seite).
Zu bedenken ist, daß manche Lampen zwar tatsächlich eine beträchtliche Menge UVB-Strahlung abgeben, diese jedoch nicht ausreicht, wenn die Tiere sich nur wenige Stunden am Tag darunter aufhalten, oder der Abstand so groß ist, daß doch zu wenig Strahlung bei den Tieren ankommt.
Diese Ausführungen beruhen auf eigenen Messungen von Sonnenlicht und einer Vielzahl an unterschiedlichen Lampen und insbesondere auf der Erfahrung mit vielen Tausend Tieren und Tierhaltungen (z.B. > 2500 Bartagamen).
Zwar gibt es viele Fälle, in dneen die Tiere auch mit eigentlich unzureichender UVB-Versorgung gedeihen können, um Risiken jedoch zu minimieren sollte sollte eine möglichst optimale Versorgung sichergestellt sein.
Dazu werden im Handel verschiedene Möglichkeiten angeboten (auf die Nennung von Markennamen wird an dieser Stelle weitgehend verzichtet):
Glühbirnen, Spotstrahler und Preßkolbenlampen wie auch Halogenlampen geben Wärme und Licht ab. Daher sind sie Bestandteil mancher Terrarieneinrichtung und als Wärmequelle einer Rotlichtlampe oder einem Keramikstrahler (die nicht verwendet werden sollten) sicher vorzuziehen. Das lebensnotwendige UV-Licht geben sie jedoch nicht ab. Oft als "Reptilienlampen" bezeichnete Glühbirnen, sind auch meist nichts anderes als handelsübliche Glühbirnen. Der Hinweis "UVA/UVB-Anteil" etc. läßt auf einen absolut unzureichenden Anteil der notwendigen UVB-Strahlung schließen. Diese Lampen schaden nicht, sind aber sicher nur als Wärme- und Lichtquellen zu verwenden.
Leuchtstoffröhren werden zwar inzwischen speziell für den Terraristikbedarf hergestellt, jedoch ist die Ausbeute an UVB-Strahlung schon bei wenigen Zentimetern Abstand schon zu gering, um dem Tier zu nutzen und nimmt weiterhin nach einigen Betriebsstunden, für unsere Augen nicht erkennbar, stark ab. Diese Röhren, wie auch alle anderen Lampen "mit UVA/UVB-Anteil" sind lediglich dazu einsetzbar, das Lichtspektrum für das Tier zu verbessern. Reptilien sind aufgrund besonderer Zellen im Auge dazu fähig auch in anderen Bereichen zu sehen, als Menschen. Für die Vitamin D3-Synthese sind sie jedoch niemals ausreichend.
Kompaktlampen, auch als "Energiesparlampen" bekannt, sind Miniatur-Leuchtstoffröhren mit integriertem Vorschaltgerät. Diese geben auf wenige Zentimeter tatsächlich eine beträchtliche Menge UV-Strahlung ab. Diese Strahlung ist jedoch häufig zu kurzwellig und verursacht eine Keratokonjuktivitis (Hornhaut-/Bindehautentzündung), die zur Erblindung und zum Tod der Tiere führen kann. In größerem Abstand ist diese Lampe wirkungslos. Allein deswegen ist dieser Lampentyp für die Terraristik gänzlich ungeeignet.
HQI-Strahler (Halogenmetalldampflampen) werden gerne für Terrarien verwendet, da sie eine gute Lichtquelle darstellen, die Wärmeleistung ist eher mittelgradig. Während die umgewidmeten Schaufensterstrahler kaum UVB-Licht abgeben (durch das Schutzglas gar keins) gibt es auch speziell für die Terraristik hergestellte Strahler, basierend auf altbekannter Technik. Hier zeigten jedoch Meßergebnisse und auch die praktische Erfahrung, das diese zwar ein Schritt in die richtige Richtung sind, sie jedoch als zuverlässig ausreichende UVB-Quelle nicht einsetzbar sind. Trotz des hohen Preises zeigt die Werbung ihre Wirkung und diese Lampen werden nun vielfach eingesetzt.
HQL-Strahler (Quecksilberdampflampen) geben Licht und Wärme ab und haben teilweise einen mittelmäßigen UVB-Anteil im Licht, für das Gedeihen der Tiere reicht er jedoch nicht aus. Hier ist auch auf starke Variationen im Strahlungsspektrum je nach Hersteller zu achten.
Besser sind da die moderneren HQL-Mischlichtstrahler mit integriertem Vorschaltgerät, wie sie von verschiedenen Herstellern für die Terraristik angeboten werden (ZooMed Powersun ®, JBL Solar UV-Spot ®, T-Rex Active UV Heat ®, Namiba Terra Replux® UV-HEAT etc.). Diese sehen aus wie große Glühbirnen, geben aber tatsächlich eine gewisse Menge UVB-Strahlung, sowie viel Licht und Wärme ab. Vom hohen Preis abgesehen, sind es ideale Terrarienlampen, doch auch hier ist die UVB-Strahlung nicht ausreichend, oder nimmt nach wenigen Monaten bereits so stark ab, so daß hier unbedingt ergänzt werden muß. Gleiches gilt für HQI-"Birnen", die mit externem Vorschaltgerät angeboten werden (Lucky Reptile Bright Sun ®). Entgegengesetzt vieler anderslautender Angaben, die meist auf falsch interpretierten Meßergebnissen und Fehlinformationen beruhen, zeigt die Praxis leider, daß viele Tiere bei Verwendung dieser Lampen als einzige UVB-Quelle schwer erkranken.
Andere Entladungslampen sind für die UV-Versorgung besser geeignet. Äußerlich sind sie leicht mit den für die Terrarisitk hergestellen Lampen zu verwechseln, jedoch weist die Zusammensetzung und vor allem die Menge der abgehenden Strahlung große Unterschiede auf.
Diese UV-Strahler sind keine "Reptilienlampen" sondern "Menschenlampen". Sie sind ausschließlich mit 300W erhältlich (Osram Ultravitalux ® oder Radium Sanolux ® - von manchen Händlern werden diese Lampen als "Reptilienlampen" umetikettiert, achten Sie auf die Wattzahl). Bei dieser Stärke sind die Lampen für einen Dauerbetrieb natürlich nicht geeignet. Bei einer täglichen, halbstündigen Bestrahlung aus ca. 60-80 cm Abstand jedoch besteht keine Gefahr einer Schädigung, während die UV-Versorgung der Tiere sichergestellt ist. Da die UVB-Abgabe auch bei diesen Lampen mit der Zeit abnimmt, sollte sie gelegentlich gemessen werden. Hierzu können Sie das Leuchtmittel zum Beispiel in die Praxis bringen. Bei Bedarf muß dann der Abstand verringert werden bzw. die Lampe gewechselt werden.
Diese Bestrahlung ist zwar etwas aufwendiger, jedoch lohnt sich dieser Aufwand zum Wohle der Tiere in jedem Fall.
Befinden sich die Tiere in einem Terrarium ausreichender Größe, hat es keine Abdeckung oder aber eine sehr breite Gazefläche, ist die Bestrahlung durch feste Installation der Lampe (Keramikfassung, cave! hohe Hitzentwicklung) leicht zu bewerkstelligen. Ansonsten müssen die Tiere täglich zur Bestrahlung herausgenommen werden.
Um die Lampenlebensdauer nicht unnötig zu verkürzen, sollte auf häufigen Transport und Ein-/Ausschalten verzichtet werden.
Am besten wird die Lampe an einem festen Ort (z.B. mit einer Klemmhalterung mit Keramikfassung) installiert und das Tier zum Sonnenbad darunter platziert. Dabei kann das Tier (je nach Tierart) gleichzeitig zur Flüssigkeitsaufnahme und zum Kotabsatz in lauwarmem Wasser gebadet werden.
Die Bestrahlungszeit sollte etwa eine halbe Stunde betragen. Eine Unterschreitung dieser Zeit darf nur erfolgen, wenn die Lampe 15 Minuten vorbrennen kann, da sie etwa diese Zeit benötigt, um die maximale UVB-Abstrahlung zu erreichen. Eine Eingewöhnung der Tiere mit kurzen Bestrahlungsdauern ist nicht notwendig. Diese Hinweise beziehen sich auf die Anwendung beim Menschen, für die die Lampe eigentlich konstruiert ist. Auf den Schutz der eigneen Haut und Augen ist selbstverständlich zu achten.
Eine weitere Lampe, die zu erwähnen ist, ist die ReptileUV Mega-Ray®, das wohl zur Zeit fortschrittlichste Produkt auf dem Markt. Diese Lampe hat im Zentrum des Lichtkegels eine der Ultravitalux annähernd große UVB-Leistung und kann wegen ihrer niedrigeren Wattzahl auch als Ganztages-Sonnenlampe eingesetzt werden, evtl. ergänzt durch ein weiteres lichtspendendes Leuchtmittel (z.B. Leuchtstoffröhren). Auch hier ist natürlich die Abnahme der UVB-Abgabe zu kontrollieren. Diese Birne ist in verschiedenen Stärken (100W, 160W und 160W Zoologist) erhältlich, jedoch in Deutschland bisher noch nicht weit verbreitet.
Gerne können Sie ihre verschiedenen Lampen mit in die Praxis bringen. Hier können wir messen, wieviel UVB-Strahlung in welchem Abstand tatsächlich das Tier erreichen kann.
Wenn Sie mehr über das Thema UV-Licht wissen möchten, lassen Sie sich bitte nicht von Werbung in die Irre führen. Fast jeder Hersteller versichert, daß seine Lampe nun doch nun die optimale Terrarienbeleuchtung darstellen soll. Mit größtenteils unsinnigen Meßwerten wird dem Laien das Produkt schmackhaft gemacht.
Es gibt jedoch eine hervorragende Seite von meiner Kollegin Dr.Frances Baines www.uvguide.co.uk, die sämtliche Beleuchtungsmöglichkeiten für Reptilien "durchleuchtet" hat.
Ebenso zu empfehlen ist das Poster meines Kollegen Dr. Henry Brames, das die Lichtbedürfnisse sowie die verschiedenen Lichttechniken übersichtlich darstellt und vergleicht.
Auf der Seite Testudo-Links.de setzt sich die Autorin mit vielen Aspekten der künstlichen Beleuchtung auseinander.