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Wasserschildkröten


Als "Wasserschildkröten" werden umgangssprachlich viele Schildkrötenarten bezeichnet, die eine vorwiegend aquatile Lebensweise haben, also sich viel im Wasser aufhalten. Sie erfreuen sich als Heimtiere stetiger Beliebtheit. Leider kommt es immer wieder zu Erkrankungen, zur Abgabe oder sogar dem unzulässigen Aussetzen der Tiere, da die Halter nicht ausreichend über die Haltungsansprüche informiert sind. An dieser Stelle sollen nun allgemeine Ratschläge zur Wasserschildkrötenhaltung gegeben werden. Spezielle Informationen zu den einzelnen Arten sind der z.B. Fachliteratur zu entnehmen.

Im Internet gibt es einige gute Wasserschildkrötenseiten mit vielen wertvollen Informationen zu verschiedenen Teilthemen (z.B. Winterruhe auf www.schildkroeten-online.com oder Aquarien auf www.zierschildkroete.de oder zur jeweiligen Gattung häufig auf der gleichnamigen Domain wie z.B. www.graptemys.de, www.chrysemys.de, www.sternotherus.de etc.). Leider gibt es auch manche Seiten (wie z.B. www.wasserschildkroete.de), deren Angaben so fehlerhaft sind, daß das Befolgen derselben einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen würde.
Um solche Fehler zu vermeiden werden im Folgenden nun die wichtigsten Aspekte genannt:

Artenvielfalt
Grundsätzlich ist die wichtigste Voraussetzung um Haltungsfehler vermeiden zu können die Kenntnis, um welche Art es sich handelt. Jede der mehrere Dutzend im Zoofachhandel relevanten Arten hat andere Haltungsansprüche. Leider sind im Zoofachgeschäft die Tiere selten nach Arten getrennt und mit genauer Bezeichnung der Art untergebracht. Dies führt häufig dazu, daß unterschiedliche Arten zusammen gehalten werden, deren Endgröße dem Halter oft nicht bekannt ist. Eine Benennung "Zierschildkröte", "Schmuckschildkröte" oder "Höckerschildkröte" ist unzureichend. Am genauesten ist die wissenschaftliche Bezeichnung (Gattung, Art und Unterart, z.B. Trachemys scripta scripta im Falle der Gelbwangenschmuckschildkröte).
Auch sollte der Größenunterschied der Tiere nicht zu stark sein, um Verletzungen zu vermeiden.

Geschlechter und Fortpflanzung
Bei vielen Arten unterscheiden sich die männlichen Tiere durch lange Krallen an den Vordergliedmaßen und einem großen Schwanz mit weit außerhalb des Panzers liegender Kloakenöffnung von den weiblichen. Nach Möglichkeit sollte in einem Becken nicht mehr als ein Männchen gehalten werden, da sie unverträglich miteinander sind. Wegen des ausgeprägten Balz- und Paarungsverhaltens ist bei den meisten Arten eine Paar- oder Gruppenhaltung nur möglich, wenn die weiblichen Tiere genügend Ausweichmöglichkeiten haben. Auch einzeln gehaltene Weibchen können (unbefruchtete) Eier legen. Daher sollte stets ein geeigneter Eiablageplatz (siehe Aquarium) zur Verfügung stehen.
Während eine Zucht einerseits nicht nur viel Freude bereitet und der Halter somit auch zum Tierproduzenten als nur Tierverbraucher wird, ist vorab zu überlegen, wohin die Jungtiere abgegeben werden können. Für einzelne Arten (Trachemys scripta elegans (Rotwangenschmuckschildkröte) und Chelydra serpentina (Schnappschildkröte)) besteht ein Import- oder Zuchtverbot, da diese Tiere insbesondere durch das illegale Aussetzen ein Problem darstellen können.

Aquarium
Die Größe des Aquariums sollte der Größe der Tiere angepasst sein (siehe auch Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien). Dabei ist auch ein teilweise recht schnelles Wachstum zu berücksichtigen. Der größte Irrtum ist allerdings, dass ein Landteil, bestehend nur aus einer Korkinsel ausreichen würde. Damit sich die Tiere auch an Land sicher fühlen und nicht übermäßig viel im Wasser aufhalten, was zu Panzer- und Hautproblemen führen kann, sollte der Landteil entsprechend groß und mit Versteckmöglichkeiten ausgestattet sein. Um Eiablagemöglichkeiten zu schaffen, sollte dort ein mindestens zehn Zentimeter tiefer Bodengrund (z.B. Torf/Sand-Gemisch) vorhanden sein. Die Schildkröten müssen diesen Landteil problemlos erreichen können. Damit auch geschwächte Tiere nicht ertrinken, sollte der Ausstieg bis auf den Boden des Aquariums reichen.
Auch unter Wasser sind Ruheplätze sinnvoll. Diese dienen den Tieren als Sichtbarrieren und als bequemer Standort im schützenden Wasser von dem die Wasseroberfläche leicht zum Luft holen erreicht werden kann. Eine leichte Trübung des Wassers ist erwünscht, darin fühlen sich die Tiere sicher.
Um Spiegelungen zu vermeiden und die Wasserqualität zu verbessern, sollte auch das Aquarium einen Bodengrund haben. Hierfür eignen sich Kies und Sand (Weichschildkröten, die übrigens nicht für Anfänger geeignet sind, benötigen eine Sandschicht, die in etwa der Panzerlänge entspricht!). Die Zugabe von 1-2g unjodierten Meersalzes pro Liter Aquarienwasser verbessert zusätzlich die Wasserqualität. Ein starker Außenfilter sollte auch nicht fehlen.

Licht und Temperatur
Wie alle Reptilien, benötigen die Tiere eine angemessene Versorgung mit Licht und Wärme. Auch auf eine ausreichende UVB-Bestrahlung ist zu achten. Wichtiger als die Beheizung des Wassers ist die Beheizung der Luft. Ist die Wassertemperatur höher als die Lufttemperatur kommt es häufig zu Erkrankungen. Daher sind starke Lampen und ggf. eine Abdeckung wichtiger als ein Heizstab. Auch ein jahreszeitlicher Rhythmus ist einzuhalten. Arten, die in der Natur eine Winterruhe durchführen, müssen auch in Gefangenschaft überwintert werden.

Haltung im Garten oder auf dem Balkon
Im Sommer können die meisten Arten auch auf dem Balkon in einer Kunststoffwanne oder im ausbruchssicheren Teich gehalten werden. Kleine Schildkröten sollten durch ein Netz vor Fressfeinden geschützt werden. Es sollte stets die Möglichkeit bestehen, dass sich die Tiere in den Schatten zurückziehen können. In Teichen in denen sich einheimische geschützte Fauna (z.B. Molche) angesiedelt hat, sollte auf das Einsetzen von Schildkröten verzichtet werden. Für die Überwinterung ist es (auch für die europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis) sicherer die Tiere nicht im Teich zu belassen, sondern in einen kühlen Raum oder Kühlschrank zu verbringen. Nur wenige Arten können in unseren Breiten sicher in einem Teich (mit möglichst 1,4m Wassertiefe) überwintern.

Fütterung
Wasserschildkröten sollten regelmäßig, jedoch in Maßen gefüttert werden. Die Gabe von zuviel Futter führt nicht nur zur Verfettung der Tiere, sondern auch zu einer schnellen Verschmutzung des Wassers. Futterreste sollten umgehend entfernt werden.
Auch die Fütterungsbedürfnisse sind von Art zu Art unterschiedlich. Die meisten Wasserschildkröten sollten jedoch mindestens zur Hälfte vegetarisch ernährt werden.

Geeignetes pflanzliches Futter für Wasserschildkröten:
Hier bieten sich neben den auf dem Merkblatt „Die Fütterung pflanzenfressender Reptilien“ genannten Pflanzen außerdem Wasserpflanzen an. Diese lassen sich in den Sommermonaten leicht in einem separaten Kübel auf dem Balkon oder im Garten züchten. Am häufigsten wird die kleine Wasserlinse (Lemna minor) verwendet, die sehr nährstoffreich ist und eine hohe Reproduktionsrate besitzt.
Obst ist wegen des hohen Zuckergehaltes weniger geeignet. Die ausschließliche oder hauptsächliche Fütterung mit Futtersticks führt in der Regel übrigens zu Mangelerkrankungen.

Geeignetes tierisches Futter für Wasserschildkröten:
Regenwürmer, Schnecken, Gliederfüßer lebend oder getrocknet (Heimchen, Bachflohkrebse (Gammarus), Garnelen, Mückenlarven etc.), Fisch
Anmerkung zu Fisch: hier sollte nach Möglichkeit frischer und ganzer Fisch verfüttert werden, also weder gefroren, noch ausgenommen. Um ein übermäßiges Verdrecken des Beckens zu vermeiden, können die Tiere in einer separaten Wanne gefüttert werden. Auch die Guppyzucht im Aquarium bietet sich an. Hier ist darauf zu achten, daß die Fische einen für die Schildkröten nicht erreichbaren Bereich im Aquarium haben, um keinem Dauerstreß ausgesetzt zu sein.

Sepiaschulp sollte als Calciumquelle stets vorhanden sein.

www.reptilientierarzt.de