Wellensittiche (Melopsittacus undulatus)
Allgemein
Wellensittiche
sind kleine australische Papageien, die wohl zu den beliebtesten und am
häufigsten gehaltenen Papageien zählen dürften. Der deutsche Name Wellensittich
beschreibt das typische Wellenmuster des Kopfgefieders. Junge Wellensittiche
erkennt man daran, dass die Wellen bis vorne zur Stirn reichen, schwarze
Knopfaugen und meist eine rosafarbene Wachshaut aufweisen. Mit dem Alter (nach einigen
Monaten) zieht sich das Wellenmuster weiter zurück. An der Wachshautfarbe kann
man meist sehr gut geschlechtsreife Weibchen (bräunlich) und Männchen
(bläulich) erkennen. Die Wachshaut umgibt die Nasenöffnungen über dem Schnabel
und kann sich je nach hormoneller Lage (z.B. auch durch Hodentumoren oder Lebererkrankungen)
umfärben. Wellensittiche werden schon sehr lange erfolgreich gezüchtet, dadurch
haben sich unterschiedliche Farbvarianten und Größen
(Standard/Schauwellensittiche) entwickelt. In der freien Wildbahn kommen vor
allem grün-gelbe, nur selten blaue Wellensittiche vor.
Vergesellschaftung
Wellensittiche
sind sehr gesellige Papageien und leben in der Natur in großen Schwärmen. Eine
Einzelhaltung ist nicht artgerecht. Deshalb sollten sie nur zu zweit oder am
besten in Gruppen vergesellschaftet werden um ihre artspezifische
Verhaltensweisen und Kommunikation auszuprägen. &xnbsp;
Standort
Ist ein
Aufenthalt draußen möglich, können Volieren aus Edelstahldraht gebaut werden.
Bei ganzjährigem Aufenthalt im Freien müssen geschützte Areale gegen direkte
Sonneneinstrahlung, Regengüsse, Wind und Kälte angeboten werden.
Bei
Innenhaltung ist die Einrichtung eines „Vogelzimmers“ sehr vorteilhaft, in dem
sich die Vögel frei bewegen können. Viele Wellensittiche nehmen gerne einen
Käfig zum Schlafen an. Alle Vogelkäfige sollten aus Edelstahl gefertigt sein,
beschichtete lackierte Stangen können nach längerem Gebrauch gefährliche
Metallverbindungen an die Oberfläche bringen. Bitte die Käfige nicht direkt an
beheizte Heizkörper stellen und Zugluft vermeiden.
In der
Heizperiode ist prinzipiell darauf zu achten, dass die Raumluft nicht zu
trocken wird. Die Schleimhäute der Vögel können austrocknen und sind anfällig gegenüber
Infektionen. Im Vogelzimmer darf auf keinem Fall geraucht werden. Vogelbrunnen,
Aquarien und Pflanzen im Zimmer sorgen für eine höhere Luftfeuchtigkeit. Der
Raum sollte soweit gesichert sein, dass keine Dichtungen, Kabel, Spiegel,
metallische Gegenstände (Schwermetalle!) frei zugänglich sind. Pflanzen wirken
sich positiv auf das Mikroklima (Luftfeuchtigkeit) aus, potentiell giftige
Pflanzen sollten vorsichtshalber gemieden werden. Stattdessen eignen sich Pflanzentöpfe
mit Schönpolster (Callisia repens, auch
bekannt als Gollywoog®), Kapuzinerkresse, Vogelmiere
oder Kräutern, welche auch von Wellensittichen gerne angenommen werden. Sie
enthalten wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Die ätherischen
Öle in den Kräutern können bei vermehrter Aufnahme zu Durchfall führen.
Bodengrund
Vogelsand als Bodengrund ist nicht notwendig, er kann
bei vermehrter Aufnahme sogar zu lebensgefährlichem Darmverschluss führen. Stattdessen
eignet sich Zeitungspapier oder Küchenpapier als Bodengrund. Ein Schälchen mit
Grit sollte extra angeboten werden. Gritsteinchen
sind separat zum Vogelsand im Zoofachhandel erhältlich. Sie dienen im
Muskelmagen zum Zerreiben des aufgenommenen Körnerfutters.
Beschäftigung
Da
Wellensittiche sehr neugierig sind, sollten genügend
Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden. Regelmäßiges Anbieten frischer
unbehandelter Obstbaum-/Haselnusszweige als Sitzstangen mit unterschiedlichen
Durchmessern fördert eine gleichmäßige Belastung der empfindlichen Sohlen und
den Krallenabrieb. Sie dürfen angeknabbert werden und regen die Vögel zum
Klettern an. Seile und Vogelspielplätze sind auch sehr beliebt. Bei jeglichem
Vogelspielzeug sollte man aber auf unschädliche Materialien achten. Behandeltes
Holz, Kunststoff, Metalle (außer Edelstahl) können bei entsprechender Aufnahme
zu schweren gesundheitlichen Schäden bis hin zum Tod führen. Spiegel und
Plastikvögel gehören nicht zum natürlichen Beschäftigungsrepertoire. Häufig
werden von den Vögeln darin fälschlicherweise Artgenossen erkannt und ständig
gefüttert. Durch das ständige Füttern kann es zu schweren Kropfentzündungen
kommen.
Futter
Futter-/Wasserbehältnisse
Futter-/Wassernäpfe
sollten aus Edelstahl sein, sie sind gut reinigbar und werden auch nach
längerem Gebrauch nicht porös oder rissig, wie es bei Kunststoffnäpfen der Fall
sein kann. Rissige Schalen beherbergen mit der Zeit eine Vielzahl unerwünschter
Keime, die sich wiederum negativ auf den Gesundheitszustand der Vögel auswirken
können. Eine tägliche Reinigung in der Spülmaschine und Ausspülen mit heißem
Wasser beugt möglichen Infektionen durch bakterielle Besiedelung der Futter und
Wasserbehältnisse vor.
Körner
Körnermischungen
für Wellensittiche sollten nicht ständig in großen Mengen zur freien Verfügung
stehen. Im Prinzip reicht ein gestrichener Esslöffel pro Wellensittich pro Tag.
Wichtig ist, mehrere Schälchen anzubieten, sodass jeder Wellensittich an sein
Futter kommt. Leider kann es passieren, dass sehr gefräßige Vögel den anderen
rationierte Portion wegfressen. Regelmäßiges Beobachten beim Fressen und Wiegen
der Vögel kann dem Halter helfen unter- bzw. übergewichtige Tiere frühzeitig zu
entdecken. Der Ernährungszustand ist von außen durch das dichte Federkleid oft
schwer zu erkennen. Häufig erkennt man erst dann den Ernährungszustand, wenn man
den Vogel in die Hand nimmt bzw. wiegt. Die angebotenen Körner sollten gut
riechen (nicht ranzig), keine Klümpchen bilden und keine Verfärbungen und
Schimmelbildung aufweisen. Bei Abweichungen am besten das Futter sofort
entsorgen. Gerne nehmen Wellensittiche auch Knaulgras an, in kleinen Mengen
kann es unter das Körnerfutter gemischt werden. Es ist ballaststoffreich und
dadurch sättigend, besonders geeignet für Vögel mit Gewichtsproblemen. Quell-
und Keimfutter ist leicht verdaulich und kann gelegentlich angeboten werden.
Durchs Quellen bzw. Keimen werden viele Nährstoffe aufgeschlossen. Im feuchten
Milieu gedeihen leider auch Bakterien und Pilze sehr gut, deshalb sollte es nur
für kurze Zeit für die Vögel bereit stehen. Besonders im Sommer sollte darauf
geachtet werden, dass die Wellensittiche kein verdorbenes Futter aufnehmen.
Prinzipiell muss beim Verfüttern von Körnermischungen darauf geachtet werden,
ob die Vögel selektiv nur gewisse Körnersorten zu sich nehmen. Eine einseitige
Ernährung führt über längere Zeit dazu, dass viele essentielle Aminosäuren und
Vitamine nicht aufgenommen werden und in der Folge Erkrankungen von Haut,
Federn, Schnabel und inneren Organen auftreten.
Pellets / Extrudate
Aufgrund der Problematik der selektiven Futteraufnahme
und der häufig mangelhaften Zufuhr essentieller Aminosäuren und Vitaminen über Körnermischungen,
haben verschiedene Futtermittelhersteller Zubereitungen für Alleinfutter
entwickelt, die diese Mängel ausgleichen sollen. Aus vogelmedizinischer Sicht
eignen sich bestimmte Zubereitungen sehr gut beim Vorliegen von
Leber/Nierenproblemen, Verdauungsschwierigkeiten, Gewichtsproblemen und bei
Wellensittichen, die sich einseitig ernähren. Bei der Entscheidung welches
Futtermittel für die eigenen Vögel sinnvoll ist, sollten Sie Ihren Tierarzt zu
Rate ziehen. Kleine Mengen an Obst und Gemüse sollten immer zusätzlich gereicht
werden.
Leckereien
Als
Leckereien sollten vor allem Obst und Gemüse angeboten werden. Einmal pro Woche
darf bei normaler Ernährung und viel Freiflug ein halber Hirsekolben für 2
Vögel angeboten werden. Die häufig angebotenen Knabberstangen
und Vogelkekse werden zwar gerne aufgenommen, enthalten aber zuviel Zucker, Fette und Kohlenhydrate. Angepriesen werden
besonders jene, die mit Vitaminen angereichert wurden oder aus Vollkorn
hergestellt sind. Im Prinzip sind sie nicht der gesunden Vogelernährung dienlich
und sollten lieber weggelassen werden. Genauso verhält es sich mit Essen vom
Tisch: gewürztes und gezuckertes Essen jeglicher Art, Brot, Butter, Marmelade,
Honig, Fleisch, Kekse usw. sind für Vögel ungeeignet.
Mineralstoffe
und Vitamine
Als
Kalziumquelle brauchen Wellensittiche stets einen Kalkstein und/oder eine
Sepiaschale zur freien Verfügung. Der Vitaminbedarf wird einerseits über die Zufütterung von Obst und Gemüse gedeckt, andererseits hat
sich eine zusätzliche Supplementierung mit Vitaminen für Vögel als
empfehlenswert erwiesen. Wichtig ist eine abwechslungsreiche Fütterung. Da
Vögel sehr skeptisch gegenüber neuem Futter sind, muss man sehr geduldig sein. Am
besten tgl. ein kleines Schälchen Obst und Gemüse nach Saison für mehrere Vögel
anbieten. Gemüse wird auch gerne leicht gedünstet angenommen. Mehrmals
wöchentlich können Kräuter und Salate (bevorzugt Romanasalat) in kleinen Mengen für
Abwechslung sorgen. Avocados können für
Vögel toxisch sein u. sollten nicht angeboten werden.